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Cerebralparese

Unter dem Ausdruck Cerebralparese (= Hirnlähmung) versteht man Bewegungsstörungen, deren Ursache in einer funktionellen Störung einiger Gehirn|Hirnzellen liegt. Die dadurch hervorgerufende Behinderung ist charakterisiert durch Störungen des Nerven- und Muskelsystems im Bereich der willkürlichen Bewegungskoordination. Am häufigsten sind spastische Mischformen und eine Erhöhung der Muskelspannung (Muskelhypertonie).

Aufgrund des jungen Alters der Kinder bei der Manifestation wird auch von infantiler Cerebralparese (= frühkindliche Hirnlähmung) gesprochen.

Allgemeines

Das menschliche Gehirn ist unter anderem eine Schaltzentrale, die Befehle an den Bewegungsapparat sendet. Dieser wiederum meldet ausgeführte Aktionen an das Gehirn zurück. So entsteht der Kreislauf der menschlichen Motorik. Bei einem Kind mit cerebralen Bewegungsstörungen, deren Ursachen meistens auf die Schwangerschaft, die Geburt oder auf Krankheiten zurückzuführen sind, funktionieren einige Hirnzellen nicht mehr richtig. Es entstehen Löcher in diesem Bewegungskreislauf.
Eine cerebrale Bewegungsstörung wird zum einen meist durch eine hohe Muskelspannung (Muskelhypertonie) oder ständiges Wechseln von starken und schwachen Muskelverspannungen (Muskelhypotonie) sichtbar. Zum anderen ist die Zusammenarbeit verschiedener Muskeln gestört. Ein Mensch mit Cerebralparese kann seine Muskeln nicht wie üblich kontrollieren.

Eine Cerebralparese lässt sich bei schwer betroffenen Kindern schon bald nach der Geburt erkennen, bei anderen erst nach drei bis vier Monaten. Allgemein spricht man aber erst nach Ende des ersten Lebensjahres von einer Cerebralparese. Es gibt keine bestimmte Behandlungsmethode bei Cerebralparesen, jedes Kind reagiert anders.

Häufigkeit

Statistik|Statistisch gesehen kann bei etwa einem von 500 lebend geborenen Kindern einer Cerebralparese diagnostiziert werden. Sehr kleine Frühgeborene sind etwa 100 bis 300 Mal häufiger betroffen als reif geborene Kinder.

Symptome

Es kommt zu einer Verhinderung der üblichen Entwicklung des Zentrales zentralen Nervensystems, zu einer Entwicklungshemmung, einem Weiterbestehen primitiver Reflexe und die Entwicklung physiologischer Reflexbahnen bleibt aus.

Die motorische Entwicklung verläuft verlangsamt. Der Muskeltonus, die Muskelstärke, die Muskelkoordination und die Bewegungsabläufe sind betroffen. Es lassen sich verschiedene Formen von Bewegungs- und Haltungbesonderheiten unterscheiden, oftmals handelt es sich um Mischformen:
  • ''Hemiplegie'' (32% der betroffenen Menschen):
    Es sind die Extremitäten einer Körperhälfte (Arme und Beine) betroffen. Es besteht eine typische Steigerung des Muskeltonus und ein Weiterbestehen des Pyramidenbahnreflexes über das dritte Lebensjahr hinaus.
  • ''Diplegie'' (40% der betroffenen Menschen): Hierbei sind die Beine stärker betroffen als die Arme. Die Intelligenz ist wie üblich entwickelt.
  • ''Tetraplegie'' (2% der betroffenen Menschen):
    Es besteht eine generalisierte Lähmung aller Extremitäten sowie eine verzögerte motorische und kognitive Entwicklung (kognitive Behinderung). Eine Gehfähigkeit wird nur von 10% der Menschen erreicht. Insgesamt hat diese Form eine sehr ungünstige Prognose.
  • ''Paraplegie'':
    Spastische Lähmung beider Beine.
  • ''Bilaterale Hemiplegie'':
    Spastische Parese aller vier Extremitäten mit Bevorzugung der Arme.
  • ''Monoplegie'':
    Spastische Lähmung einer Extremität.
  • ''Triplegie'':
    Spastische Parese von drei Extremitäten.
Infolge der spastischen Lähmung kommt es zur Gelenkversteifung, wobei die Beugemuskeln und die Adduktoren von der Spastik betroffen sind:
  • Die Hüfte steht angewinkelt gebeugt und nach innen gedreht.
  • Ellenbogen, Handgelenk, Finger und Kniegelenk neigen zur Beugeversteifung.
  • Der Unterarm ist stark gebeugt und der Daumen ist nach innen gedreht.
  • Das Sprunggelenk und der Fuß stehen in Spitzfußstellung.
  • Die Wirbelsäule zeigt eine hochgradige Verkrümmung (Skoliose).
Bei 15% der Menschen kommt es zu ataktischen Syndromen, d. h., zu Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Sprachstörungen, Tremor (Muskelzittern), Störung der feinen Muskelbewegungen und muskuläre Hypotonie.

Bei 10% der Menschen kommt es zu dyskinetischen Syndromen, d. h. wurmartige, unkontrollierte und unwillkürliche Bewegungsabläufe (Athetose), Tremor, mangelnde Kontrolle der Mimik, häufiges Grimassieren und Überdehnung der Gelenkkapseln.

Neben diesen drei beschriebenen Syndromen treten häufig auf:
  • Epilepsie mit einer Häufigkeit von 30 bis 50%
  • Liste Psychische Störungen mit Wesensveränderung, Verhaltensstörungen (die Hälfte der Menschen hat jedoch keine oder nur eine leichte kognitive Intelligenzminderung).
  • Augensymptome (Schielen).
  • Hörbehinderung|Hör- und Sprachstörungen.
  • Minderwuchs und Muskelschwund der betroffenen Körperteile

Auswirkungen

In Folge der spastischen Lähmungen kommt es zu einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit der betroffenen Extremitäten und ggf. wird die Nutzung eines Rollstuhls notwendig. Dadurch ist die selbstständige Bewältigung des Alltags (z. B. essen und trinken, Toilettengang, an- und ausziehen) erschwert. Durch epileptische Anfälle kann es zu Stürzen kommen. Die Hör- und Sprachstörungen beeinträchtigen die Teilnahme am sozialen Leben. Kognitive Einschränkungen können die Selbstständigkeit und die Bewältigung des Alltags beeinträchtigen. Oftmals sind die Menschen ausgegrenzt und es kann zu Soziale Isolation|sozialer Isolation kommen.

Ursachen

Nachweisbare Ursachen für die Hirnentwicklungsstörung lassen sich in etwa 50% der Fälle finden. Beispiele sind:
  • Sauerstoffmangel
  • Infektionskrankheiten der Mutter
  • Vergiftungen durch Medikamente, Alkohol oder Kohlenmonoxid
  • Nabelschnurkomplikationen (z.B. Unterversorgung)
  • Fehlbildungen der Plazenta (Mutterkuchen)
  • Blutgruppenunverträglichkeit
  • Hirnblutungen
  • Unfall|Unfälle im Verlauf der Schwangerschaft und im Verlauf der Geburt
  • Stoffwechselstörungen
  • Erbkrankheiten / Chromosomenbesonderheiten
  • Schädel-Hirn-Trauma

Die Diagnose wird nach Ausschluss anderer fortschreitender Erkrankungen und auf Grund des klinischen Befundes gestellt.

Behandlung

Kinder mit einer Cerebralparese besuchen meistens Therapien, um die Einschränkungen durch die Lähmungen auszugleichen und entstehenden Beeinträchtigungen möglichst vorzubeugen. Gängige Therapieverfahren sind z.B. die Behandlung mit Muskelrelaxantien (Spasmolytika) sowie Krankengymnastik, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Die bekanntesten Therapiekonzepte gründen sich auf Bobath, Voita bzw. Vojta und Petö.

Schulischer Aspekt

Bei Kindern mit einer Cerebralparese ist die Einschulung in eine Regelschule meist ein schwerer und bürokratischer Prozess. Viele Lehrer sind nicht dazu ausgebildet, Kinder mit einer Körperbehinderung aufzunehmen, selbst wenn ihre kognitiven Fähigkeiten mit denen eines Regelkindes vergleichbar sind. Deshalb wird z.B. in der Schweiz keinem Lehrer vorgeschrieben, ein Kind mit einer Cerebralparese aufnehmen zu müssen. In vielen Fällen liegt es an den Eltern, sich dafür einzusetzen, dass das eigene Kind in eine Regelklasse aufgenommen wird.

Wenn ein Kind mit körperlichen Schwierigkeiten in die Regelkasse aufgenommen wird, ist dessen Schulalltag oft von vielerlei Hürden geprägt. Problematisch ist schon die Tatsache, dass von einem Kind mit Behinderung meist das Gleiche erwartet wird wie von Kindern ohne Einschränkungen. Andererseits ist es gerade für Kinder mit einer körperlichen Behinderung sehr wichtig, ihnen nicht in gutgemeinter Hilfsbereitschaft jede Arbeit abzunehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gesellschaftlich wichtige Arbeit leisten und selbständig für sich sorgen können. Die Anforderungen an das Lehrpersonal sind daher bei Kindern mit Behinderung enorm; dazu kommen noch potentielle Konflikte zwischen behinderten und nichtbehinderten Schülern.


Die Informationen dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

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