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Kinderlähmung

Die Kinderlähmung, kurz die Polio oder die Heine-Medin-Krankheit, ist eine von Poliovirus|Polioviren hervorgerufene meldepflichtige ansteckende Krankheit, die nicht nur, aber überwiegend Kinder im Alter zwischen drei und acht Jahren befällt. Sie war den Menschen schon im Altertum bekannt und wurde damals unter anderem auch als die Krüppelkrankheit bezeichnet.

Erreger

Der Erreger dieser Erkrankung ist das Poliovirus. Es handelt sich dabei um ein unbehülltes Virus mit einzelsträngiger plus-RNA ss(+)RNA von ca. 25 Nanometer Durchmesser, das zum Genus ''Enterovirus'' der Picornaviridae gehört. Es kommt außer beim Menschen auch beim Affen vor.

Vorkommen

Der Erreger ist außer in den Polargebieten weltweit anzutreffen. Durch eine konsequente Durchführung von Impfmaßnahmen ist das häufige Auftreten der Erkrankung auf Gebiete in Afrika und Asien zurückgedrängt worden.

Übertragung

Das Virus wird fäkal-peroral|oral durch Schmierinfektion oder Kontaktinfektion auch über Gegenstände übertragen. Es ist also ein umweltstabiles Virus und Hygiene|hygienische Maßnahmen helfen nur wenig.

Pathogenese

Das Virus gelangt in der Regel durch den Mund in den Körper und vermehrt sich anschließend im Darm. Von dort aus befällt es die Nervenzellen des Rückenmarks, die die Bewegungsimpulse von dort an die Muskulatur weitergeben. Als Reaktion wandern körpereigene Abwehrzellen (Lymphozyten, Leukozyten, und Plasmazellen) ins Rückenmark ein, wobei eine Entzündung die Nervenzellen letztlich zerstört. Die Folgen sind mehr oder weniger ausgeprägte, ungleichmäßig verteilte, motorische schlaffe Lähmung|Lähmungen, vorwiegend an den Beinen (es kann aber auch z. B. durch Affektion der Hirnnerven IX und X die Atemfunktion zum Erliegen kommen), meist unter Erhaltung des Berührungssinnes. Besagte Lähmungen können sogar schon innerhalb weniger Stunden nach Befall des Nervensystems auftreten.

Krankheitsverlauf/Symptome

Oftmals (in bis zu 95 % der Fälle) verläuft die Infektion völlig symptomfrei.
Nur weniger als 10 % der Angesteckten machen eine etwa dreitägige fieberhafte "Erkältung" als Prodromalstadium durch, allerdings auch manchmal mit Hirnhautbeteiligung im Sinne einer Meningitis. Die ersten Symptome einer Infektion sind hier:
  • Fieber
  • Müdigkeit
  • Erbrechen
  • ein steifer Nacken
  • Schmerzen in den Gliedmaßen.
Daran kann sich nach einer Latenzzeit von 3?4 Tagen bei 0,1 % der Infizierten die gefürchtete '''Paralyse|paralytische Form''' anschließen: Charakteristisch für den plötzlichen Beginn dieser Phase ist eine "Morgenlähmung" des noch am Vorabend gesunden Kindes. Die Kinderlähmung tritt hauptsächlich bei Kindern unter fünf Jahren auf.


Nach Entfieberung ist meist kein weiteres Fortschreiten der Lähmungen zu erwarten, außer bei etwa 10-20% dieser Erkrankten, bei denen teilweise erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Infektion noch das Post-Polio-Syndrom als Spätfolge auftritt (Ursache unbekannt, vielleicht Verschleiß noch verbliebener Nervenzellen durch Überbeanspruchung). Symptome sind extreme Müdigkeit, Muskelschmerzen, neue Muskelatrophien, Atem- und Schluckbeschwerden, Gelenkdeformationen, Muskelzucken, Kälteintoleranz u. a.

Diagnostik

(Siehe Poliovirus)

-Klinische Beobachtung der auftretenden Lähmung
-Virusisolierung und -nachweis aus Stuhl, Rachensekret und aus dem Liquor

Differenzialdiagnose

Während der ersten Krankheitsphase kommen fast alle fieberhaften Infektionen in Frage. Die auftretenden Lähmungen können auch durch Coxsackie- und ECHO-Virus-Infektion, Frühsommermeningoenzephalitis, Diphtherie, Neuritis und Guillain-Barre-Syndrom verursacht werden.

Therapie

Es gibt keine kausale (antivirale) Therapie.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung ist eine Prophylaxe|prophylaktische Impfung möglich und äußerst sinnvoll. Im Jahr 1962 (in der DDR bereits ab 1960) wurde die oralen Poliomyelitis-Schutzimpfung in Deutschland wie auch in anderen europäischen Ländern eingeführt. Bereits 1965, nur vier Jahre nach Beginn der ersten Impfkampagnen, hatte sich die Zahl der im Bundesgebiet erfassten Erkrankungen auf weniger als 50 Neuerkrankungen reduziert, im Vergleich zu den 4.670 gemeldeten Neuerkrankungen im Jahr 1961 war das ein Rückgang um 99%. Die letzten beiden einheimischen Erkrankungen durch Polio-Wildviren traten in Deutschland in den Jahren 1986 und 1990 auf, die letzten importierten Fälle wurden 1992 erfasst.

Aus religiösen Gründen wurden damals in einem Teil der Niederlande überhaupt keine Impfungen durchgeführt - also auch keine Polio-Impfungen, weder mit dem Schluck- noch mit dem Nadel-Impfstoff. Abgesehen davon war dieser Teil der niederländischen Bevölkerung genau so gut gesundheitlich versorgt, gebildet, mit Nahrung und Wohnungen versorgt usw. wie der Rest des Landes. Es kam dort - also mitten im sonst schon Polio-freien Europa - in den Jahren 1992/93 zu einer regionalen Polio-Epidemie, die innerhalb weniger Wochen trotz der relativ kleinen Bevölkerungszahl Dutzende von lebenslang Gelähmten und einige Tote zur Folge hatte.

Die Impfung wurde im Allgemeinen als Schluckimpfung mit abgeschwächten Erregern verabreicht. Leider birgt die Impfung mit den geschwächten, doch lebens- und vermehrungsfähigen Viren auch Risiken, denn diese werden mit dem Stuhl der so geimpften Personen wieder ausgeschieden und können andere Ungeimpfte über eine Schmierinfektion bzw. Kontaktinfektion anstecken. Auch durch unsachgemäßem und leichtfertigem Umgang mit dem Lebendimpfstoff ist eine Infektion möglich. Als z. B. in der Sowjetunion zwischen 1963 und 1966 die Impfungen ausgesetzt wurden, sprangen die Viren aus dem Impfstoff auf noch ungeimpfte Kinder über und es kam zu einer Verbreitung der Krankheit.

Da die Polio inzwischen aus Europa weitgehend verschwunden ist, wurde dieses Risiko als nicht mehr akzeptabel erachtet. Deshalb wird seit 1998 gegen Polio mit einem Totimpfstoff geimpft, der jedoch nicht mehr geschluckt sondern gespritzt wird. Wer auf diese Weise geimpft wurde, kann den Erreger nicht weitergeben. Auch ein unsachgemäßer Umgang mit dem Impfstoff führt nicht mehr zu einer Infektion.

Im Jahr 1980, nach offizieller Ausrottung der Pocken, setzte sich die WHO die globale Ausrottung der Poliomyelitis als Ziel. Drei der sechs WHO-Regionen sind inzwischen als ?Polio-frei? zertifiziert (Amerika 1994, Westpazifik 2000, Europa 2002).

Für die globale Impfkampagne der WHO zur Ausrottung der Kinderlähmung sind weitere Unterschiede zwischen der Schluckimpfung und der mit Totimpfstoff relevant:

  • die Schluckimpfung ist mit Kosten von etwa 0,02 Euro sehr günstig, der Totimpfstoff kostet dagegen über einen Euro
  • die Spritze muss von medizinisch ausgebildetem Personal verabreicht werden
  • der Lebendimpfstoff muss bis direkt vor der Verabreichung gekühlt werden, sonst können sich die *Erreger stark vermehren, und die Schluckimpfung kann zum Ausbruch von Polio führen
  • ein mit Lebendimpfstoff geimpftes Kind scheidet die Erreger im Stuhl aus -so kommt es zu einem durchaus erwünschten -Mitimpfen- von engen Kontaktpersonen, z. B. Eltern
  • Aus Kostengründen wird in vielen Entwicklungsländern die Schluckimpfung angewandt. Das Risiko, dadurch eine Epidemie auszulösen, ist jedoch recht hoch, insbesondere, solange große Teile der Bevölkerung noch nicht geimpft sind.

Epidemiologie

Weltweit gibt es noch ca. 7.000 Neuerkrankungen pro Jahr, v. a. in Indien und Afrika, aber auch wieder sporadisch in den Industrienationen (wohl wegen steigender Impfkritik|Impfskepsis); Amerika ist seit 1994 poliofrei.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will in den nächsten Jahrzehnten das Poliovirus, ähnlich wie in den 1970ern die Pocken, weltweit ausrotten; der Erreger scheint dazu geeignet, da er sich praktisch nicht verändert und faktisch nur den Menschen als Reservoir hat.

Unabdingbar für das Gelingen dieses Vorhabens ist jedoch eine nicht nachlassende Impfbereitschaft weltweit, da das Virus umweltstabil ist (und quasi -ausgehungert- werden muss, so dass es keinen Wirt mehr findet): Eine möglichst hohe weltweite Immunisierungsrate über Jahre ist dafür nötig.


Die Informationen dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

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