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Hysterie

Der Name Hysterie (von griechisch hystera: Gebärmutter) beschreibt eine neurotische Störung. Die Bezeichnung "Hysterie" ist als Fachbegriff veraltet und wurde inzwischen durch die Bezeichnung Histrionische Persönlichkeitsstörung (HPS) (von lat. histrio: Schauspieler) ersetzt, vergl. Histrioniker.

Symptome

Traditionell wird die Hysterie entweder durch ein vielfältiges körperliches Beschwerdebild ohne organische Grundlage charakterisiert, z. B. Gehstörung, Bewegungssturm, Lähmungen, Gefühlsstörung, Ausfall der Sinnesorgane wie Blindheit, Taubheit, ... oder bezeichnet mit dem Begriff der
Hysterischen Persönlichkeit, benannt durch den bedeutenden deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann , eine von "vier Grundtypen der Persönlichkeit".

Früher wurde unter Hysterie eine ausschließlich weibliche psychische Störung verstanden, welche in konkretisierterer Form noch heute in den Arzneimittelbildern der Homöopathie relevant ist, speziell bei der Behandlung von Frauen, die bestimmte Persönlichkeitsmerkmale aufweisen (ichbezogen, geltungsbedürftig, kritiksüchtig, unreflektiert etc.).

Noch bis 1952 wurde dieser Begriff als Sammelbegriff für eine Vielzahl nicht klar umrissener und ausschließlich weiblicher Beschwerden verwendet bis er von der "American Psychiatric Society" aus der Liste der Krankheiten gestrichen wurde.

Der Begriff "Hysterie" wurde durch die weniger missverständliche Bezeichnung "Histrionische Persönlichkeitsstörung (HPS)" ersetzt und wird durch ein relativ klar umrissenes Persönlichkeitsbild definiert, welches bei beiden Geschlechtern auftreten kann und zu dem etwa eine erhöhte Tendenz zu Dramatisierungen, eine verminderte Fähigkeit, zwischen eigener Deutung und der Realität zu unterscheiden, eine ausgeprägte Suggestibilität, erhöhtes Geltungsverhalten sowie die Neigung zu unreflektierten Ansichten gehört.

Geschichte des Krankheitsbildes


Die Hysterie gilt als die älteste aller beobachteten psychischen Störungen. Gängige ärztliche Behandlungsform der vermeintlich ausschließlich weiblichen Erkrankung war ab 15. Jh. bis hinein ins 19. Jh. die Auslösung einer hysterischen Krise, nichts anderes als die Auslösung des damals offiziell unbekannten weiblichen Orgasmus, vergl. Orgasmus: "Der Orgasmus und Rollenklischees". In England wurden Mitte des 19. Jh. operative Maßnahmen angewendet: den Frauen wurden die Klitoris entfernt, vergl. Verstümmelung weiblicher Genitalien. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. war auch die Entfernung der Gebärmutter üblich, vergl. Hysterektomie.

Paul Julius Möbius definierte (1888) die Hysterie provisorisch als ''alle diejenigen krankhaften Erscheinungen, die durch Vorstellungen verursacht sind.'' Dies entsprach der allgemeinen Definition der Hysterie vor 1895 und erfaßte praktisch einen Großteil aller psychischen Erkrankungen. Das Krankheitsbild war also sehr unspezifiziert und umfangreich. Übergeordnetes Merkmal der Hysterie war damals bereits das Fehlen somatischer Ursachen, welches heute allen psychogenen Krankheiten zugrunde liegt. Aufgrund der Größe ihrer Zuordnung wurde sie im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert besonders häufig diagnostiziert.

Bezeichnenderweise führte auch Sigmund Freuds Weg zur Psychoanalyse über die Hysterie, wobei sich Freud auf den Hysteriespezialisten Jean-Martin Charcot (1825-1893) berief und später mit Josef Breuer seine Hysteriestudien heraus gab, 1895 erstmals veröffentlicht, geschlossen editiert mit der Auflage von 1922. Diese Studien gelten allgemein als erste Werke der Psychoanalyse. Der Begriff "Hysterie" wurde von Freud allerdings neu definiert, wobei er unter anderem den Begriff Konversionsneurose einführte, weil hier nach seiner Ansicht psychisches Leiden in körperliches konvertierte. Allerdings hat sich diese Umbenennung nicht durchsetzen können, zumal später erkannt wurde, dass nahezu jedes psychische Leiden körperliche Symptome hervorruft, die keineswegs "hysterische" Merkmale aufweisen müssen. Als typische Prädiktoren für die hysterische Entwicklung sah Freud geistig leistungsfähige junge Menschen, die in einem anregungs- und bildungsarmen Familienklima aufwachsen und die einen Hang zur Tagträumerei (Breuer) aufweisen.

Ebenfalls auf die beiden Wissenschaftler geht die Einführung Ätiogenese|ätiogenetischer Kriterien hinsichtlich eines krankheitstypischen psychischen Vorgangs zurück. Ihn aufzudecken sah Freud als das eigentliche Problem, denn er sei mit jenen Auskünften, die der Hysteriker freizügig erteilt, nicht zu erkennen. Es erschien so, als würde der Patient gerade diesen Vorgang verstecken wollen. Die später von Freud gemachte Entdeckung unbewußter Vorstellungsinhalte eigneten sich zur Entwicklung einer ätiogenetischen Erklärung sowie zur Entwicklung der Psychoanalyse als Form der Psychotherapie, Gesprächstherapie ohne Anwendung der Hypnose.

Heutiger Wissensstand


Heute gilt die hysterische alias histrionische Reaktion vor allem als eine Form der psychischen Konfliktlösung, die nicht unbedingt negative Folgen für den Betroffenen haben muss. Als wichtig hat die moderne therapeutische Forschung die Publikumsbezogenheit histrionischer Verhaltensweisen erkannt: die meisten Symptome der Histrionischen Persönlichkeitsstörung entfalten sich erst bei Anwesenheit eines (oder mehrerer) Gegenüber. Mitunter aus diesem Grund werden in nicht-wissenschaftlichen Zusammenhängen nicht selten Simulanten, Phantasten und zu exaltiertem Auftreten neigende Menschen pauschal als "hysterisch" bezeichnet.

Der Begriff "Hysterie" erscheint auch deshalb problematisch, weil ihm eine pejorative Bedeutung anhaftet. Das hängt zusammen mit der vorgeblichen geschlechterspezifischen Bindung, die auf die antike Beschreibung der Hysterie in altägyptischen Papyri wie bei Platon und Hippokrates zurückgeht, die die Ursache der Krankheit in der Gebärmutter sahen. Konzeptionell ging man davon aus, dass die Gebärmutter, so sie nicht regelmäßig mit Samen (Sperma) gefüttert werde, im Körper suchend umherschweife und sich dann ''am Gehirn festbeiße'', was dann zum typischen "hysterischen" Verhalten führe.

Dem widersprach erstmals der englische Arzt Thomas Sydenham (1624-1689), auch Charcot und Freud wiesen darauf hin, dass Hysterie nicht ausschließlich eine Frauenkrankheit sei.

Die Informationen dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

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