Alveoläre Echinokokkose bei KRANKHEITEN.DE
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Alveoläre Echinokokkose

Die alveoläre Echinokokkose des Menschen ist eine seltene aber auch die gefährlichste Parasitenerkrankung in Europa und sie ist in Deutschland und in der Schweiz meldepflichtig. Beim Menschen wird sie durch das Larvenstadium des Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) verursacht und hat meist verheerende Folgen. Im Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurmes stellt der Mensch einen Fehlzwischenwirt dar, da die Infektion nicht an den Endwirt weitergegeben wird.

Verbreitung

Die Anzahl der Übertragungen auf den Menschen ist aber offensichtlich sehr gering. In ganz Europa sind im Zeitraum von 1982 bis 2000 lediglich 559 Fälle der alveolären Echinokokkose bekannt. In der Schweiz werden z.B. pro Jahr durchschnittlich 5 - 10 neue Fälle festgestellt, und es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass die Zahl der Fälle zunimmt. Dies steht jedoch im Widerspruch zur hohen Verbreitung der Eier des Echinococcus multilocularisbei bei Füchsen in den Endemiegebieten. So sind in verschiedenen Regionen der Schweiz 3% bis über 50% der Füchse befallen. Das entspricht einer weiten Verbreitung Die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden können sind, dass entweder die Übertragung auf den Menschen sehr unwahrscheinlich ist, oder die Verbreitung in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat, und dabei eine enorme Dunkelziffer bei den Infektionen besteht, die wiederum auf der langen Inkubationszeit dieser Erkrankung beruht.

Übertragung

Menschen können sich auf verschiedenen Wegen mit dem Erreger infizieren:
  • aus Wald, Feld, Flur und eigenem Garten bodennah wachsendes und dann roh verzehrtes Obst und Gemüse sowie Pilze, die mit Eiern des Fuchsbandwurms verschmutzt waren.
  • Durch Kontakt mit dem Fell infizierter Tiere
  • Durch den Kontakt mit dem Kot infizierter Tiere
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Krankheitsverlauf

Die alveoläre Echinokokkose hat eine sehr lange Inkubationszeit. Von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit können beim Menschen bis zu 15 Jahre vergehen.

Nach der Infektion findet in den Organen eines infizierten Menschen, vornehmlich in Leber, Lunge und Gehirn, eine Larve|Finnenentwicklung statt, die das Krankheitsbild der alveolären Echinokokkose hervorruft. Dabei entsteht ein Netzwerk von Röhren in den befallenen Organen. Sie enthalten die Finnen von Echinococcus multilocularis in Form von Anhäufungen mikroskopisch kleiner, von Bindegewebe umschlossenen Bläschen (Alveolen). Man spricht daher von einer alveolären Echinokokkose im Gegensatz zur zystischen Echinokokkose bei Infektion durch den Hundebandwurm. Das Finnengewebe breitet sich wie Metastasen aus, wodurch die betroffenen Organe schleichend, aber weitgehend zerstört werden. Vorzugsweise in der Leber bildet die Larve des Fuchsbandwurms ein tumorähnliches, alveoläres (bläschenartiges) Gewebe. Dieses wächst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien infiltrativ (eindringend) in die benachbarten Organe und Metastase|metastasiert hämatogen (über das Blut) in entfernte Organe. Das Krankheitsbild entspricht dem eines malignen (bösartigen) Tumors und führt unbehandelt nach schleichendem Verlauf innerhalb von zehn Jahren in über 90 % der Fälle zum Tod.

Symptome

Leider treten zu Beginn der Infektion kaum Symptome auf, die den Verdacht auf diese Krankheit lenken würden. Selbst nach vielen Jahren treten zunächst nur unspezifische Anzeichen auf:
  • Abgeschlagenheit
  • Bauchbeschwerden
  • Gelbsucht
In diesem Krankheitsstadium hat das Larvengewebe im Körper meist schon eine beträchtliche Größe erreicht.

Diagnose

Die Früherkennung der Infektion ist mit serologischen Untersuchungen (IFT und PHA) möglich, bevor irgendwelche Symptome auftreten. Mittels ELISA ist die serologische Unterscheidung von ''E. granulosus und E. multilocularis'' nachweisbar. Kreuzreaktionen auch mit anderen Bandwürmern sind ebenfalls möglich.

Weiterhin werden sowohl für die Diagnose als auch die Verlaufsbeurteilung einer alveolären Echinokokkose bildgebende Verfahren wie die Ultraschalluntersuchung, die Computertomographie und die Magnetresonanztomographie angewendet. Mit diesen Methoden ist allerdings nur eine Verlaufsbeobachtung der Krankheit erheblich zeitversetzt durch aufeinanderfolgende Untersuchungen zur Beurteilung der Größenveränderung parasitärer Schädigungen möglich. Leberschäden sind hingegen durch unterschiedliche Aktivität einzelner Bereiche charakterisiert. Eine Aktivitätsbewertung verschiedener Areale ist mit den genannten Verfahren nicht möglich. Durch Einsatz der FDG-Positronen-Emissions-Tomographie haben sich jetzt neue Diagnosemöglichkeiten ergeben. Die 18F-Fluoro-Desoxyglukose-Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) ist eine nichtinvasive (nicht in den Körper eingreifende) nuklearmedizinische Untersuchungsmethode. Da sich in zu untersuchendem aktiven Gewebe 18F-radioaktiv markierte Glukose anreichert, kann man durch die Messung dieser Anreicherung die Stoffwechsel|metabolische (stoffwechselbedingte) Aktivität der Gewebe bestimmen.

Dr. Stefan Reuter hat mit seiner Arbeitsgruppe in der Sektion Infektiologie und Klinische Immunologie (Leiter Prof. Dr. Peter Kern) der Universität Ulm erstmals das nuklearmedizinische Verfahren der FDG-PET als geeignete Methode zur Beurteilung parasitärer Aktivität bei alveolärer Echinokokkose beschrieben. Den Wissenschaftlern gelang damit bei dieser Erkrankung die Unterscheidung zwischen inaktiven, teilweise abgestorbenen Gewebeteilen und Bereichen mit parasitärer Aktivität sowie die Bestimmung von Anzahl, Größe und Lokalisation metabolisch aktiver Herde.

Differentialdiagnose

Bei Befall der Leber gilt es andere raumfordernde Rundherde wie vor allem bei einem Amöbenabszess (durch Amöben verursachtes Eitergeschwür) auszuschließen.

Therapie

Eine frühzeitige Diagnose und frühe, konsequent durchgeführte Therapie können zu einer vollständigen Heilung führen.

Therapiemöglichkeiten schließen Chemotherapie, Operation und palliative Maßnahmen (lindernde Behandlung zur Entlastung der Symptome, die aber die Erkrankung nicht heilt) ein; meist ist eine langjährige Behandlung mit Benzimidazol-Derivaten unerlässlich. Dafür sind zur Zeit Albendazol und Mebendazol in Deutschland amtlich zugelassen. Diese medikamentöse Therapie ist bislang meist zeit Lebens erforderlich, da nach derzeitigem Wissensstand die oben genannten Substanzen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nur parasitostatische Wirkung haben, d.h. sie hemmen nur das Wachstum der Parasiten, führen aber nicht ihr Absterben herbei. Leider haben die genannten Medikamente schwerwiegende Nebenwirkungen, weshalb die Benzimidazol-Therapie in etwa zehn Prozent der Fälle abgebrochen wird. Da es in etwa 16 Prozent der Fälle auch noch zu einem Therapieversagen kommt, sind neue therapeutische Ansätze dringend gefragt.

Da bei der alveolären Echinokokkose der Parasitenbefall sehr oft erst Jahre nach der Infektion festgestellt wird, besteht bei vielen Patienten bereits bei Erstdiagnose Inoperabilität. Hier kann nur eine langjährige Behandlung die Progredienz (fortschreitende Verschlimmerung) der Erkrankung und weitreichende Organschäden verhindern.

Mit der oben beschriebenen, neuen diagnostischen Methode ließ sich ebenfalls eine nach mehrjähriger Benzimidazoltherapie erfolgte Rückbildung der metabolischen Aktivität befallener Gewebe als Beleg für die effektive Hemmung des Parasitenwachstums aufzeigen. Auch Rezidive (hier: wiederaufgelebte parasitische Aktivität) konnten nunmehr zeitnah erkannt werden. Mit einer derart optimierten (verbesserten) Verlaufskontrolle ist es bei einem Viertel der von Dr. Reuter in die Untersuchungen einbezogenen Patienten möglich geworden, die Therapie dauerhaft zu unterbrechen.

Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Infizierung sollten besonders bodennahe Freilandprodukte vor dem Verzehr gründlich unter fließend Wasser gewaschen und nach Möglichkeit gekocht oder gebraten werden, da der Erreger erst durch Erhitzen auf über 60 Grad Celsius abgetötet wird. Eine Lagerung der Produkte in der Tiefkühltruhe oder ein "Bad" in Alkohol überlebt der Parasit jedoch unbeschadet.

Außerdem sollte auch an das Händewaschen selbst nach dem Sammeln von nicht bodennahen Früchten, Beeren und Pilzen und nach der Gartenarbeit gedacht werden.

Es ist ebenfalls zur Vermeidung einer Infektion wichtig, Füchse nicht durch Fütterung und offene Müllbehälter mit Beet- und Fallobst oder Speisereste in menschliche Siedlungen zu locken oder gar als Dauergast im Garten zu pflegen. Dadurch würde die Gefahr einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm steigen, der als Dünndarmparasit auch bei Hunden und Katzen vorkommt.

Eigene Katzen und Hunde sollten daher auch regelmäßig entwurmt werden.

Die Informationen dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

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