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Demenz

Demenz leitet sich aus dem Latein|lat. dementia ab, einer Substantivierung des Adjektivs demens "verrückt" (wörtlich: "dessen mens "Verstand" de "unten" ist").

Demenz wird gelegentlich auch mit Verblödung übersetzt.

Was ist Demenz

Als Demenz wird ein chronisch fortschreitender Hirnabbau mit Verlust früherer Denkfähigkeiten bezeichnet, der mit Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und anderer Funktionen des Gehirns einher geht, die so schwer sind, dass sie die Alltagsbewältigung deutlich beeinträchtigen. Es kommt zu einem Verlust erworbener intellektueller Fähigkeiten, vor allem des Gedächtnisses und zu Persönlichkeitsveränderungen als Folge einer hirnorganischen Erkrankung. Demenz ist in höherem Alter die häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit. Die häufigsten Formen sind die Alzheimersche Krankheit und die vaskuläre Demenz.

Formen von Demenz

Unterschieden wird zwischen degenerativen, primären Demenzen (durch Hirnschädigung) und potenziell behebbaren, sekundären Demenzen. Zu den degenerativen, primären Demenzen zählen die Alzheimer-Demenz (AD) oder Demenz vom Alzheimer Typ (DAT) und die vaskuläre Demenz (VD).

Die potenziell behebbaren, sekundären Demenzen sind Folge-Demenzen anderer Erkrankungen, die Ursachen reversibler (umkehrbarer, heilbarer) Demenzen sind nach Beyreuther (2002) in abnehmender Häufigkeit. Dazu zählen Depression, Medikamente (anticholinergisch wirkende Neuroleptika und Antidepressiva, Benzodiapine), Stoffwechselstörungen (Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12- und Folsäure-Mangel, Leberschädigung), Normaldruckhydrocephalus, Hirntumoren, subdruales Hämatom, Alkohol, Infektionen, chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) und Schlafapnoe-Syndrom.

Einteilung der Demenzen nach ICD 10

  • Demenz vom Alzheimer Typ DAT
  • Vaskuläre Demenz VD
  • Multi-Infarkt-Demenz MID
  • F01.2 Subkortikale Demenz, Biswanger Krankheit
  • F02 Demenz bei anderorts klassifizierten Erkrankungen
  • F02.0 Frontotemporale Demenz oder Pick-Erkrankung
  • F02.1 Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • F02.2 Demenz bei Huntington'scher Erkrankung
  • F02.3 Demenz bei Parkinson
  • F02.4 Demenz bei HIV-Erkrankung
  • F02.8 Demenz bei anderorts klassifizierten Krankheitsbildern, wie z. B. sekundäre Demenz bei Schilddrüsenerkrankung, Hirntumor, subduralem Hämatom, Vitamin-B12-Mangel.
  • F10.73 Alkoholbedingte Demenz
  • F13.73 Sedativa und Hypnotika bedingte Demenz

Häufigkeit

Nach der Berliner Altersstudie (1996) ist Demenz nach Depressionen die zweithäufigste psychische Erkrankung im Alter. Nach Bickel (2000) steigt die Zahl der dementen Personen nach Altersgrupen aufgeschlüsselt folgendermaßen an:

65- bis 69-Jährige 1,2%
70- bis 74-Jährige 2,8%
75- bis 79-Jährige 6,0%
80- bis 84-Jährige 13,3%
85- bis 89-Jährige 23,9%
über 90-Jährige 34,6%

In der Bundesrepublik leiden etwa eine Million Menschen an Demenz, etwa 20.000 an präseniler Demenz bei Alzheimer mit frühem Beginn F00.0 (zwischen 40 und 64). Etwa zwei Drittel erkranken an Alzheimer mit spätem Beginn F00.1, 15 bis 20 % an vaskulärer Demenz und 10 bis 20 % an Mischformen: Frauen überwiegen bei Alzheimer, Männer bei vaskulärer Demenz. Die Alzheimer-Dauer beträgt bei 65- bis 80-Jährigen fünf bis sieben Jahre, bei über 80-Jährigen drei bis vier Jahre; Patienten mit vaskulärer Demenz haben eine kürzere Überlebenszeit oder Lebenserwartung. (Quelle: Erich Grond "Pflege Demenzkranker" ISBN 3-87706-892-8)

Übergewichtige werden nach einer US-amerikanischen Studie häufiger dement. Die Forscher am National Institute of Health untersuchten in einer Langzeitstudie 10.000 Übergewichtige. Die Personen hatte alle einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Der Vergleich mit einer Kontrollgruppe von Menschen mit BMI zwischen 20 und 25 ergab, dass das Risiko für Übergewichtige, an Demenz zu erkranken, 70 bis 200 Prozent höher sei.

Epidemiologie (Prävalenz) der Demenzen

Demenzkranke in absoluten Zahlen, nach Bundesländern geschlüsselt:
  • Baden-Württemberg (2002): Landkreise: 97.478, kreisfreie Städte: 27.861;
  • Bayern (2002): Landkreise: 99.561 kreisfreie Städte: 46.159;
  • Berlin (2002): 38.546;
  • Brandenburg (2003): Landkreise: 23.114 kreisfreie Städte: 4.240;
  • Bremen (2003): 9.541;
  • Hamburg 2003: 22.625;
  • Hessen (2003): Landkreise: 56.075 kreisfreie Städte: 18.155;
  • Mecklenburg-Vorpommern (2003): Landkreise: 11.922 kreisfreie Städte: 5.557;
  • Niedersachsen (2003): Landkreise: 109.325, kreisfreie Städte: 13.981;
  • Nordrhein-Westfalen (2002): Landkreise: 119.758 kreisfr. Städte: 95.594;
  • Rheinland-Pfalz (2002): Landkreise: 37.978, kreisfreie Städte: 13.391;
  • Saarland (2003): Landkreise: 13.657 kreisfreie Städte: 3.550;
  • Sachsen (2004): Landkreise: 34.958 kreisfreie Städte: 18.479;
  • Sachsen-Anhalt (2002): Landkreise: 24.618 kreisfreie Städte: 6.792;
  • Schleswig-Holstein (2003): Landkreise: 27.545, kreisfreie Städte: 8.759;
  • Thüringen (2003): Landkreise: 21.247 kreisfreie Städte: 6.662;

Mögliche Ursachen der Demenz

  • Alzheimer-Demenz (DVAT/SDAT; 60 % aller Fälle ? mit dem höheren Lebensalter auch höhere Prozentanteile)
  • Vaskuläre Demenz (20-25 % der Fälle)
Die Prozentangaben variieren in verschiedenen Untersuchungen. Sie hängen zum Teil mit der Schwierigkeit der Diagnosestellung zusammen. Die DVAT kann bei lebenden Personen nur als Ausschlußdiagnose benannt werden. D.h. andere Krankheiten als Erklärung für die Symptome sind durch verschiedene Untersuchungsschritte ausgeschlossen worden.
  • Andere Ursachen (10 % der Fälle):
  • Morbus Pick
  • Demenz bei Normaldruckhydrozephalus (NPH)
  • Demenz bei entzündlichen Veränderungen und Infektionskrankheiten des Gehirns
  • Demenz bei AIDS
  • Demenz bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Demenz nach Hirnverletzungen (Traumata)
  • Demenz bei metabolischen oder Stoffwechselerkrankungen
  • Demenz durch chronischen Alkoholkonsum (Korsakow-Syndrom|Korsakow-Demenz)

Alzheimersche Krankheit


Die Alzheimersche Krankheit ist nur eine von verschiedenen Formen der Demenz. Es lässt sich eine vor dem fünfundsechzigsten Lebensjahr beginnende Frühform von einer nach dem fünfundsechzigsten Lebensjahr beginnenden Form unterscheiden.
Die Alzheimer-Demenz entsteht durch allmählichen Untergang von Nervenzellen und Schaltstellen des Gehirns. Über einen Zeitraum von Jahren kommt es dabei zu einem Atrophie|Hirnmassenschwund (Atrophie). Die Alzheimer-Demenz beginnt allmählich und verläuft schleichend, aber stetig fortschreitend.

Vaskuläre Demenz


Die vaskuläre Demenz ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Sie entsteht durch Demyelinisierung des Marklagers und kleine Hirninfarkte (''Schlaganfall|Schlaganfälle''). Größere Untersuchungen haben gezeigt, dass der demenzielle Prozess bei Mikroangiopathie eher mit alzheimerartigen, neuropathologischen Veränderungen in der Hirnrinde korreliert. Vielleicht ist die vaskuläre Demenz keine eigenständige Form von Demenz, sondern eher Ausdruck eines Zusammentreffens von zwei häufigen Gehirnkrankheiten, der Alzheimer-Krankheit und der zerebralen Mikroangiopathie.

Sie beginnt meist plötzlich, verschlechtert sich schrittweise, Schlaganfälle mit vorübergehenden oder bleibenden körperlichen Symptomen wie Sehstörungen oder Lähmungen sind nicht immer zu finden.
Die häufigste Form ist die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE) oder Morbus Binswanger|Binswanger-Krankheit (typisch infolge von arterieller Hypertonie)

'''Die Alzheimer-Demenz und die vaskuläre Demenz sind die weitaus häufigsten Formen, seltenere Ursachen werden hier nicht behandelt.'''

Symptome der Demenz


Es kommt zu einer Abnahme der Gedächtnisleistung. Insbesondere ist das Lernen neuer Informationen beeinträchtigt. Die Erinnerung an lange zurückliegende Ereignisse kann erhalten bleiben. Das Urteilsvermögen und das Denkvermögen lassen nach, mathematische Fähigkeiten verschlechtern sich. Die Kontrolle über Emotionen und Sozialverhalten sowie der Antrieb verschlechtern sich. Die Wahrnehmung und Orientierung sind gestört. Dazu können Störungen der Sprache und des Erkennens von Objekten kommen. Die Patienten haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, Gegenstände zu benennen, mit Küchengeräten oder Werkzeugen umzugehen. Sie scheinen oft ratlos zu sein. Vertraute Personen werden nicht erkannt. Der Schlaf-Wach-Rhythmus kann ebenfalls gestört sein. Nachts sind die Patienten wach und unruhig, sie wandern ziellos umher.
Viele Patienten werden im Verlauf der Erkrankung urin- und stuhlinkontinent. Sie verlernen Fähigkeiten wie Essen oder Laufen und sind im Endstadium der Erkrankung pflegebedürftig.
Bei der vaskulären Demenz steht fast immer ein Parkinsonismus (Rigor und Akinese überwiegen) an erster Stelle der Symptome.

Testdiagnostik der Demenz


Tests für Demenzpatienten (z.B. Alzheimersche Krankheit) sollen helfen, die Schwere und den Verlauf der Erkrankung zu diagnostizieren. Tests zu diesem Zwecke sind u. a.:
  • Bayer Activities of Daily Living-International Scale
  • Brief Cognitive Rating Scale
  • Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung
  • Mini-Mental-Status-Test
  • Syndrom-Kurz-Test
  • Zahlen-Verbindungs-Test
  • Uhrentest

Verlauf der Demenz

Die Alzheimer-Demenz schreitet stetig fort und führt unbehandelt innerhalb von sechs bis fünfzehn Jahren nach den ersten Symptomen zum Tod.
Die vaskuläre Demenz verläuft nicht einheitlich. Sie kann auch jahrelang stillstehen. Rückbildungen gibt es jedoch nicht. Da sie eine Erkrankung des höheren Alters ist, ist sie meist selbst nicht lebensbegrenzend.

Behandlungsmöglichkeiten

'''Medikament|Medikamentöse Behandlung bei der Alzheimer-Demenz''
:Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. In frühen Stadien der Erkrankung können so genannte Nootropika eingesetzt werden. Diese sollen die Symptome bessern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. In den letzten Jahren sind neue Präparate auf den Markt gekommen, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien belegt werden konnte, die jedoch auch nur eine relativ kurze Stagnation des Krankheitsverlaufs bewirken.

Diese Mittel werden als Cholinesterasehemmstoffe bezeichnet. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Alzheimerschen Erkrankung und dem damit einhergehenden Marktpotenzial wird von der Pharmaindustrie intensiv an der Entwicklung besserer Medikamente gearbeitet.

:Medikamentöse Behandlung bei der vaskulären Demenz
:Hier steht die Behandlung der internistischen und neurologischen Begleiterkrankungen im Vordergrund. Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Gefäßverkalkungen und Durchblutungsstörungen können mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden.

:Medikamentöse Behandlung bei beiden Formen der Demenz
:Unruhezustände, Schlafstörungen und Verwirrtheitszustände mit Aggressivität werden in der Regel mit Psychopharmaka, vor allem beruhigenden Neuroleptika, behandelt. Depressive Zustände entsprechend mit Antidepressiva.

:Nichtmedikamentöse Behandlung
:Die Behandlung und Versorgung muss zwischen Betroffenen, Angehörigen und Arzt abgestimmt sein. Ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgungseinrichtungen müssen miteinbezogen werden. Psychotherapie, Milieutherapie und Angehörigenberatung sind die wesentlichen Elemente der nichtmedikamentösen Therapie.

:Als kognitives Training oder kognitive Aktivierung wird ein Training bezeichnet, in dem durch Gedächtnisübungen, Sprachspiele und andere Übungen versucht wird, den Zustand der Erkrankten zu verbessern. Es hat sich gezeigt, dass dieses Training zumindest die Lebenszufriedenheit und das Selbstwertgefühl verbessert. Der Aufbau befriedigender und als angenehm empfundener Fähigkeiten und Tätigkeiten ist Prinzip der Verhaltenstherapie bei Demenzen.

Milieutherapie versucht, den Lebensraum der Erkrankten möglichst optimal zu gestalten. Beispielsweise sollte die Wohnung übersichtlich und gut beleuchtet sein, Hinweisschilder an den Türen können die Orientierung erleichtern usw.

Validation ist im eigentlichen Sinne keine Behandlungsmethode, sondern eine Methode, mit dementen Menschen so umzugehen, dass eine weitgehend stressfreie Atmosphäre zwischen alten Menschen und deren Betreuern besteht.

Hilfe für Angehörige

Die Angehörigen sind selbst in erheblichem Ausmaß durch die Erkrankung ihrer Lebenspartner oder Eltern belastet. Sie brauchen Beratung und Informationen, aber auch tatkräftige Entlastung. Die Kranken müssen in fortgeschrittenen Stadien ständig beaufsichtigt werden. Zu den problematischen Verhaltensweisen kommt die zunehmend notwendige körperliche Pflegebedürftigkeit. Zu neunzig Prozent werden Demenzkranke von Angehörigen gepflegt, zu achtzig Prozent von Frauen.

Alzheimer-Gesellschaften und Angehörigeninitiativen gibt es inzwischen im gesamten Bundesgebiet. Hier gibt es Informationen für Betroffene und Angehörige. Weitere Informationen bei der http://www.deutsche-alzheimer.de Deutschen Alzheimer Gesellschaft.


Die Informationen dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie können in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen.
Bei gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

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